Tag 6-8: Brüssel – 80 km

6.Tag: Anfahrt, Hop-on-Hop-off-Bus, Manneken Pis & Grote Markt

Nach einer gemütlichen Nacht im biblisch-namigen Örtchen Nazareth hieß es früh Aufstehen und mit unserem Opel Corsa die letzte Fahrt der insgesamt mehr als 700 km unserer Belgien/Niederlande-Rundreise zum Flughafen Brüssel-Zaventem zu bestreiten. Auf dem Weg kamen wir unpraktischerweise in den Morgenverkehr rund um Brüssel, welches unsere Ankunft am Flughafen um etwa 15 Minuten nach hinten verschob und einen Einsatz des liebgewonnen Tempomaten verweigerte. Am Flughafen angekommen lief dann alles wie am Schnürchen und binnen weniger Minuten, wo einerseits die Tankanzeige auf „Vollständigkeit“ und das Auto auf Unfallshinweise geprüft wird, standen wir bereits am unterirdischen Bahnsteig des Flughafens. Die Karten für den Zug gleich als Roundtrip gelöst – war in diesem Fall zwar keine Kostenersparnin, da der Fahrpreis stets je Richtung € 7,60 beträgt – nahmen wir im gerade einfahrenden Zug für etwa 20 Minuten Platz. Anschließend spazierten wir samt Gepäck vom Zentralbahnhof zu unserem Hotel. Der Weg dorthin war zwar nicht weit, doch der gepflasterte Bodenbelag in Kombination mit dem Aufstieg und der bereits sommerlich angebenden Sonne erschwerten den Fußmarsch.

Unser Hotel (Hotel De Congres) machte von außen eine nicht so extravaganten Eindruck und erfüllte nach erfolgreichem und kostenfreien Early Check-In die bereits von uns durch den ersten Eindruck gewonnen, spärlichen Anforderungen mit einem sehr überschaubaren Zimmer und überdurchschnittlich unkomfortablen Temperaturen darin. Nichtsdestotrotz sanken wir kurz zu Bett und waren froh, dass vom Aufstehen über das Auto zurückgeben, der Zugfahrt und dem Early Check-In alles reibungslos geklappt hat. Den so gewonnen neuen Mut münzten wir adhoc gleich in einen Spaziergang zurück zur Zentralstation, wo wir die Hop-on-Hop-off-Sightseeing-Busse erwarteten. Nach raschen und studienermäßigten Ticketerwarb fanden wir uns auch gleich auf der oberen Etage eines der roten Doppeldecker-Busse wieder, welche die erste Route in Angriff nahm und uns so quer durch die Stadt bis raus zur Expo bzw. dem Atomium sowie dem japanischen Garten und zurück brachte. Am Rückweg zur Stadt kamen wir auch bei der im Vergleich zum pariser Original nicht so imposanten, belgisch-brüsslerischen Variante von Sacré Coeur (Basilique Nationale du Sacré-Cœur) vorbei. Zurück in der Innenstadt verließen wir den Bus bereits vorzeitig an der Station des Groten Markts bzw. des Manneken Pis. Da wir nicht direkt bei Letzterem ausstiegen, sondern zwei Querstraßen weiter, mussten wir den kleinen Pisser zuerst einmal suchen. Doch als wir von der Ferne schon eine Menschentraube sahen, wussten wir dass er nicht mehr weit sein kann. Gottseidank war die Touristenansammlung bereits vor Ort, den ansonsten kann man den kleinen bis mikrigen, urinierenden Jüngling wohl recht leicht übersehen, da die in etwa 60 cm große Zwerg-Brunnenfigur neben ihrer nicht gerade üppigen Größe auch noch in einer Niesche am Straßeneck zwischen zwei Häusern angesiedelt ist. Nach obligatorischen Foto vor dem sagen wir mal nicht gerade überschwänglich ausgestatteten Klo-Geher, gönnte sich Conny eine belgische Waffel. Dabei ist anzumerken, dass die Schilder Waffel – € 1,- zwar ihre Berechtigung aufweisen, aber verschweigen, dass das ganze Topping in Form von Frückten, Saucen, Schokolade, etc. seperat zu bezahlen ist. Derart gestärkt spazierten wir eine Querstraße weiter und betraten dadurch den Groten Markt. Dieser von prunkvoll verziehrten Häusern – u.a. dem Rathaus – gesäumte Platz weißt ein großes Blumenbild in der Mitte auf. Aufgrund der sich dadurch ergebenen Konzentration an Sehenswürdigkeiten, kann man sich die Touristen- und Fotoapparatdichte bereits errechnen und entsprechend überschaubar war der einem sich bietende Platz auf dem Grand Place.

Bevor wir uns zur zweiten Route aufmachten, verspürte ich auch einen leichtes Hungergefühl in meiner Magengrube und es lüstete mich nach langer Zeit wieder einmal nach einem Subway-Sub. Überraschender Weise lag auf dem Weg zurück zum Bahnhof ein derartiger Franchise-Nehmer und ich konnte meinen eigensdefinierten Snack-Wunsch ad-hoc erfüllen. Nach einem kurzen Besuch der prunkvollen St. Hubert-Gallerien schlenderten wir durch die schmalen Gassen der Innenstadt zurück zum Gare Centrale, um auch die zweite Route der Sightseeing-Busse in Angriff zu nehmen. Da die Temperaturen bereits sehr sommerliche 35° annahmen war der auf dem fahrenden Bus zu vernehmende Fahrtwind eine willkommene Abwechslung, sofern man nicht im geschlossenen Teil ganz vorne an der Glassscheibe sitzt, um die beste Sicht zu haben. Dort konnte man den Glashaus-Effekt am eigenen (schwitzenden) Körper wahrnehmen und spätestens seitdem versuche ich auch meinen CO2-Ausstoß zu minimieren, um ähnliche Resultate auf der Erde zu vermeiden 😉 Die Route führte uns u.a. an den EU-Institutionen und am Königspalast vorbei. Während der Fahrt machte sich das frühe Aufstehen bemerkbar und so kann es durchaus sein, dass wir den ein oder anderen Stopp oder Information verpennt haben.

Zurück am Ausgangspunkt, dem Gare Central, angekommen, trennten sich unsere beiden Wege. Conny musste der Müdigkeit Tribut zollen und ich wollte zu Fuß und ziellos noch ein bisschen die Stadt erkunden. Bei Letzterem kam ich u.a. bei ein paar der, in der Stadt verteilten Comic-Wände und auch bei etlichen Geschäften vorbei. Nach mehr als einer Stunde suchte auch ich das Hotel für ein kurzes erholsames Schläfchen auf. Bevor wir dann in die nächtliche Ruhepause übergingen, ließen wir den Abend noch in der Innenstadt bei einem Italiener (4 CoBe-Sterne) und einem Spaziergang ausklingen.

Unsere Route von Nazareth (Hotel Nazareth) nach Brüssel-Zaventem (Flughafen)

7.Tag: Atomium, Mini Europa & Postkarten

Das Hotelzimmer hielt in der Nacht die befürchteten Erwartungen und spendete saunafreundliche Temperaturen, die einen angenehmen, erholsamen und ununterbrochenen Schlaf kompromisslos zunichte machten. Durch entsprechendes Stoßlüften konnten wir jedoch ein wenig die Temperatur drücken, öffneten aber hiermit den nächtlichen Blutsauger Tür und Tor.

In der Früh noch leicht benommen von der wohltemperierten Umgebung, erhofften wir ein genüsslichen Frühstück. Auch hier blieb das Hotel allerdings seinem Motto treu und enttäuschte uns auf ganzer Linie, da lediglich Grundausstattung angeboten wurde. Den ganzen Rückschlägen zu trotz, schien uns beim Verlassen des Hotels wieder die warme Sommersonne entgegen und im Nu waren alle Sorgen vergessen. Am heutigen Tag war der Besuch des Atomiums und des daran anschließenden Mini-Europas geplant. Demnach nahmen wir wiederum den Sightseeingbus (die Tickets gelten 24 Stunden) und fuhren die Route 1 zum Expo-Gelände von 1958. Dort steht das Atomium in voller Pracht. Bereits auf dem üppig angelegten Vorplatz bzw. Einfahrt kann man das verchromte und millionenfach-vergrößerte, kubisch raumzentrierte Eisenmolekül in voller Pracht bewundern. Nach ein paar Fotos aus der Distanz als auch solchen, wo wir mit der Perspektive spielten, gönnten wir uns den Eintritt natürlich mit Studentenermäßigung zur Tour durch das Ungetüm. Die Tour sieht wie folgt aus: Per Lift geht es in die höchste Kugel des Molekülkonstrukts, die einer Aussichtskugel gleichkommt. Dort hat man einen traumhaften Blick über die Stadt einerseits und auch darüber hinaus. So kann man bei klarem Wetter wohl bis nach Antwerpen sehen. Nachdem wir glücklicherweise strahlend-blauen Himmel hatten konnten wir so in die Ferne staunen und den Ausblick entsprechend genießen. Im Anschluss an diese 360°-Roundview-Experience geht es mit dem Aufzug wieder ganz nach unten und von dort aus mit Rolltreppen bzw. normalen Treppen hinauf und hinunter durch 3-4 weitere Kugeln. Diese beinhalten diverse Ausstellungskomponenten der Weltausstellung 1958 und waren demnach eher überholt bis uninteressant. Das einzig spannende waren die Querverbindungen zwischen den Kugeln und die Sichtschlitze, wo ma wiederum eine schöne Aussicht genoss. Den eher bescheidenen Rundgang, den wir für eine kurze Verschnaufpause und einer improvisierten Chemie-/Physik-Stunde unterbrachen, finalisieten wir im obligatorischen Gift Shop.

Anschließend machten wir uns auf den Weg in das benachbarte Mini-Europa. Dieses kann als europäisches Minimundus gesehen werden mit dem Unterschied, dass man sich hierbei auf Bauwerke der 27 EU-Mitgliedsstaaten beschränkt hat. Dabei muss gesagt werden, dass die Auswahl der Objekte äußerst heterogen und sehr spezifisch erfolgt ist. So haben manche Länder wie bspw. Belgien (Überraschung), Frankreich und Deutschland gleich 5, 6 oder noch mehr Objekte aufzuweisen und andere Staaten – darunter auch Österreich – ein einzelnes Gebäude, wie im Falle unseres Heimatlandes das weltberühmte und unvorhersehbare Stift Melk – ja richtig gelesen: Kein Stephansdom, Riesenrad oder Mozart-Gedächtnisstätte, sondern das Stift Melk. Dahingegen hat allein Frankreich 4 Bauten aus Paris, darunter logischerweise den Eifeltum anzubieten. Nach diesem eher als Reinfall zu bezeichneten Besuch dieses Parks, indem wir wieder einmal das Prinzip der Sunk Costs höchstsignifikant empirisch ermittelten, stand Mittagessen auf dem Programm. Dieses nahmen wir zum ersten Mal in der Burger-Kette Quick ein und waren beide geschmacklich positiv überrascht, sodass 3 von 5 CoBe-Sterne zu vergeben waren.

Anschließend hatten wir die Wahl: Zurück mit den Sightseeingbussen unter Verwendung bereits (marginal) abgelaufener 24h-Tickets oder Ticketerwerb für die Metro. Ich zögerte mit der Entscheidung, da sich eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich des abgelaufenen-Tickets-Delikts in mir breit machte. Doch ein kleines Teufelchen über meiner rechten Schulter pochte sofort auf die Entscheidung und die Tatsache, dass der Busfahrer ohnehin nicht aufs Datum schaut 😉 – gesagt, getan und kurze Zeit später befanden wir uns im Obergeschoß des Busses auf dem Weg zurück in die Innenstadt. Dort angekommen spazierten wir ein bisschen in Bahnhofsnähe herum, besorgten Briefmarken und machten uns dann im wohlverdienten Schatten daran, die bis dorthin in dein einzelnen Stationen gekauften Postkarten an unsere Liebsten zu schreiben und auch gleich in den Postkasten zu befördern. Der Post ist hierbei ein Kompliment zu machen, den obwohl es bereits Freitagnachmittag war, sind die Karten schon am Montag im jeweiligen Briefkasten auffindbar gewesen. Geschafft von der nächtlichen als auch akuten Hitze, spazierten wir zurück ins Hotel, um dieses einerseits für den Abend zu präperieren und ein wenig zu erholen. Die Abendgestaltung verlief dann analog zum Vortag mit Abendessen beim gelben M und Spaziergang. Da es danach noch immer hell und angenehm warm war und uns ohnehin nur ein heißes Hotelzimmer erwartete, machten wir es uns noch ein bisschen im Park vor der imposanten St. Michaels Kirche bequem und quatschten über die letzten Tage. Dabei identifizierten wir unsere persönlichen Highlights, ließen gewisse Situationen Revue passieren und auch die anstehende Arbeitswoche fand ein bisschen Platz in unserem Gespräch.

8.Tag: Comic-Musem & -Wände und Heimreise

Nach einer ähnlich anstregend-heißen Nacht sowie analogem Frühstück wie tags zuvor, checkten wir aus unserem Hotel, aber ließen unser Gepäck noch für den Tag im Hotel um noch ein bisschen frei durch die belgische Hauptstadt zu tummeln. Das große Highlight des Tages war der Besuch des Comic-Museums, welches die vielen belgischen Comic-Zeichner – allen voran Hergé oder Peyo – für ihre Tätigkeiten zum großten Teil posthum geehrt werden. Die Ansprüche waren dementsprechend hoch und wie es nun einmal mit derartigen ist, sind sie schwer zu erfüllen. So war es leider auch bei diesem Musuem. Bereits am Eingang wurden wir enttäuscht, da lediglich ein ISIC-Studentenausweis zu einer entsprechenden Ermäßigung geführt hätte. Nachdem wir also den Eintritt bezahlt hatte, überreichte uns die Kassa-Lady eine Mappe mit der Geschichte des Comics zum Nachlesen auf Deutsch, was uns schon einmal verdutzte – Wer geht bitte in ein Museum, um dort in einer Mappe zu lesen wie etwas passiert ist. In Zeiten des Internets wohl eher nicht vorstellbar. – Naja nach dieser Kurzeinführung und den entsprechenden Exponaten zur Geschichte des Comics, wieß der zweite Bereich eine Sammlung an handgemalten Original-Comicbögen auf. Da diese großteils auf französisch bzw. belgisch/flämisch waren, dementsprechend schwierig für uns zu lesen und auch die überreichte Mappe hielt keine passenden Übersetzungen parat. Der dritte Teil des Museums widmete den einzelnen Zeichnern und ihren Figuren entsprechende Widmungen. Diese waren zumeist allerdings wiederum durch belgische Comics gegeben, wenig interaktiv und auch wenig plastisch zum angreifen. Von dem her doch eher ein nahezu nahtlos-langweiliger Museumsbesuch. Da auch der integrierte Laden nicht das hielt was er versprach, stapften wir enttäuscht und hängenden Hauptes von Dannen.

Noch immer etwas missmutig und lustlos strichen wir die Fußgängerzone entlang und kamen zu dem Entschluss, obwohl noch recht früh, doch gleich etwas Essen zu gehen – Das Frühstück war ja nicht wirklich ansprechend. Das auch erledigt bummelten wir weiter durch die FuZo und das ein odere andere Geschäft in Richtung Stadtmitte mit dem Fernziel dem kleinen Pisser einen weiteren Besuch abzustatten. Auf dem Weg besorgten wir uns in der Touristen Information am Groten Markt eine Comic-Wall-Map, welche alle ca. 40 mit Comic-Szenen bemalten Hauswände auswies. Derart bestückt war es für uns fast ein Leichtes beinahe 10 dieser Kunstwerke in der Nähe aufzuspüren. Allerdings ist hierbei festzuhalten, dass nicht alle an Fassaden zu finden, sondern z.T. auch innerhalb angebracht sind. Dabei wählten wir eine Route, die auch beim obszönen, urinierenden Männchen vorbeiführte. Dieses war zu unserer Überraschung heute allerdings mit einer Art Uniform angezogen, die auch Leute drum herum anhatten. Da dies allerdings zu einer noch größeren Menschentraube als normal (siehe 6.Tag) führte, ersparten wir uns dieses Getummel und gingen langsam zurück ins Hotel. Nach einem kurzen Erfrischungsstopp, griffen wir unser Gepäck am Hotel auf und zurück am Zentralbahnhof bestigen wir den Zug mit den bereits gekauften Rückfahrtickets.

Dort waren wir nicht die einzigen Passanten und im Gegensatz zur Hinfahrt wurden wir auch kontrolliert. Das stellte in unserem Fall kein Problem dar. Ein anderes Pärchen hingegen hatte keine Karten und versuchte sich im gebrochenen Englisch herauszureden, dass sie eigentlich Tickets hätten usw. Keine Ahnung wie sie mit dem Schaffner verblieben sind, allerdings baten sie uns beim Aussteigen um unsere Tickets. Etwas erstarrt verneinten wir mit der Ausrede, dass wir diese schon verstaut hatten und jetzt nicht extra noch einmal danach suchen wollten. Wie sich herausstellte erwies sich das als kluger Schachzug, denn noch am unterirdischen Bahnsteig bei der Rolltreppe wurden die Fahrkarten erneut überprüft und das Pärchen entsprechend angehalten. Gottseidank haben wir Ihnen nicht unsere Fahrkarten überlassen, denn ansosten wären womöglich wir noch als, man möge mir den politsch nicht einwandfreien Begriff verzeihen, Schwarzfahrer überführt worden. So führte aber unser Belgientrip zu einem gerechten Ende und nach kurzer Wartezeit am Flughafen, ging es per Spätmaschine zurück nach Wien.

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